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ADHS bei Mädchen: Symptome, Stärken und Unterstützung im Alltag

Regenbogen als Symbol für ADHS bei Mädchen, Vielfalt und individuelle Stärken im Alltag

ADHS bei Mädchen zeigt sich oft anders als bei Jungen und wird daher häufig erst spät erkannt. In den letzten Jahren erhalten jedoch immer mehr Mädchen eine entsprechende Diagnose, was unter anderem mit einem veränderten Bewusstsein für die unterschiedlichen Ausprägungen der Symptome zusammenhängt.

Dieser Artikel baut auf dem vorherigen Beitrag ADHS bei Mädchen: Warum heute mehr Mädchen diagnostiziert werden auf.

Besonders im Jugendalter treten bei vielen Mädchen mit ADHS neue Herausforderungen in Schule, Alltag und Selbstbild auf.

Gleichzeitig gehen mit ADHS aber auch besondere Stärken und individuelle Fähigkeiten einher, die häufig übersehen oder nicht ausreichend wahrgenommen werden.

1. Wie sich ADHS bei Mädchen im Jugendalter entwickeln kann

Ein besorgnis erregender Faktor ist, dass ich bei Teenagerm-Mädchen mit ADHS häufiger schwierige Verläufe zeigen, die als Begleit- oder Folgeerscheinungen einer unbehandelten ADHS auftreten. 

Hierzu gehören vor allem:

  • höheres Risiko für Essstörungen
  • Depressionen
  • Angststörungen
  • negatives Selbstbild

Studien deuten darauf hin, dass sich ADHS im Erwachsenenalter bei vielen Jungen anders entwickelt und die Hyperaktivität teilweise abnimmt.

Bei Mädchen bleiben Symptome häufiger bestehen oder verändern sich. Dies kann zum einen deshalb sein, da das System nach all den Jahren der Kontrolle und des Perfektionismuses nicht mehr kann und kollabiert. Zum anderen tritt bei Mädchen häufiger ADS auf, ein Typus der generell vermehrt auf ‚Gedanken-Aktivität‘ basiert, die aufgrund äußere Einflüsse leicht ins negative kippen können. Auch verstärken sich die Symptome durch hormonelle Veränderungen.


2. ADHS-Diagnose – ja oder nein?

Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Viele scheuen den Weg zu:m Psychiater und sicherlich ist dies ein größerer Schritt. Jedoch auch ohne Diagnose, ohne Namen sind die Symptome da – nur sie können nicht adäquat behandelt werden. Eine Diagnose hilft den Eltern gegen Selbstvorwürfe und Selbstzweifel, dass sie durch ein falsches Verhalten an den Auffälligkeiten des Kindes Schuld sind oder nicht genug getan haben. Zum anderen, und das ist der wichtigere Punkt, sind sie dadurch kompetent und wissen, wonach sie suchen müssen: welche Bücher zu welchen Themen Antworten liefern und welche Therapieformen hilfreich sind. 

Besonders im Schulkontext empfinde ich dieses Wissen als sehr wertvoll. Auch ist die Selbstmord Rate bei Mädchen mit ADHS deutlich höher als bei Mädchen ohne ADHS und auch als bei Jungen mit ADHS, weshalb ein  frühes Eingreifen und richtige Strategien wichtig ist.

Eine unerkannte und vor allem unbehandelte ADHS (medikamentös oder nicht medikamentös) kann weitreichende Folgen im Hinblick auf soziale und berufliche Entwicklung sowie für interpersonelle Schwierigkeiten haben.


3. Stärken von Mädchen mit ADHS 

Dies ist mein persönlich wichtigster Punkt, der meiner Meinung nach in der Diskussion und in den Medien zu dem Thema zu wenig Beachtung findet: Neben all der Kritik und Stigmatisierung der Mädchen mit ADHS (und Betroffenen von ADHS generell), bringt die ADHS auch viele sehr positive, besondere Eigenschaften und Stärken mit sich, auf die das Augenmerk gerichtet werden sollte. 

Generell verfügen Menschen in mit ADHS in der Regel über diese Merkmale:

  • Kreativität
  • Ideenreichtum
  • Empathie (Menschen & Tieren gegenüber)
  • Abenteuerlust
  • Energie
  • Hyperfokus (sich intensiv über Stunden oder Wochen mit einem Thema beschäftigen zu können


4. Was Mädchen mit ADHS helfen kann:

Nicht immer ist eine medikamentöse Behandlung notwendig. Und selbst wenn eine medikamentöse Behandlung erfolgt, können Strategien im Alltag dabei helfen, die Symptome zu mindern. ADHS hat man und es bleibt a keine temporäre Krankheit, aber man kann gute Methoden finden, um gut damit zu leben.

Wie Kinder und Eltern einen entspannten und stärkenden Umgang mit ADHS entwickeln können – insbesondere auch im Zusammenspiel mit Hochbegabung – beschreibe ich ausführlicher in meinem Buch BESONDERS. Wie Eltern und Kinder einen entspannten und stärkenden Umgang mit ADHS und Hochbegabung finden. Neurodivergenz verstehen und stärken.

Unterstützende Tools im Alltag

  • Struktur und Routinen:
    Auch wenn dies widersprüchlich wirkt: Wie bei allen neurodivergenten Menschen ist eine klare Alltagsstruktur und Routinen sehr wichtig. Sie gibt Halt und Sicherheit als Gegenpart zur regen Gehirnaktivität
  • Zeitplanung:
    Eine feste und klare Zeitplanung (ggf. auch schriftlich)
  • Reminder:
    Planer, Apps, Kalendereinträge, Zettel etc. Hier kann man selber etwas schauen und sich ein System erarbeiten, dass individuell funktioniert. 

Verhaltensweisen des Umfeldes

  • Akzeptieren
    Insbesondere für die Eltern – Akzeptieren dass das Mädchen ADHS hat und es nicht wegmachen wollen 
  • Fühlen
    Körperlich dem Kind Ruhe geben durch bewusste Berührung, gemeinsames Atmen, bei einem Ausraster das Kind in den Arm nehmen oder eine Hand auf die Schulter legen und selber ruhig atmen

Therapie und professionelle Unterstützung

  • Ergo- und Verhaltenstherapie
  • Familientherapie ist oftmals ergänzend hilfreich um familiäre unterstützende Strukturen zu erarbeiten
  • Yoga (es gibt auch Kinderyoga, Mädchen sind hierfür leichter zu gewinnen) entspannt den Körper und Geist, hilft bei der Stressregulation.
  • Breathwork – es reguliert das Nervensystem. Bei neurovivergente Menschen ist das Nervensystem oft stärker belastet und gestresst als bei neurotypischen, weil sie ich häufig anpassen müssen und so viele Reize aufnehmen


Weiterführende Informationen und Quellen:

Spektrum der Wissenschaft:
https://www.spektrum.de/news/adhs-uebersehene-maedchen/2189250

Klinikum Uni Heidelberg:
https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/klinikschule/Dateien/2025/ADHS_Maedchen.pdf

ADHS Deutschland
https://adhs-deutschland.de/sites/default/files/2023-11/ADHS-neue_AKZENTE_Nr.125_02_2023_Leseprobe_U%CC%88bersehene-Ma%CC%88dchen.pdf

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